Das Hambacher Fest 1832

Die sicherlich wichtigste Episode in der Geschichte des Hambacher Schlosses war das Hambacher Fest am 27. Mai 1832. Es gilt zu Recht als eines der bedeutendsten Ereignisse der deutschen Demokratiegeschichte. Die Teilnehmer und Redner des Festes forderten die nationale Einheit Deutsch­lands sowie ein „conföderiertes republikanisches Eur­opa“, Presse-, Meinungs-, Versammlungsfreiheit, die Gleichberechtigung der Frauen. Wegen dieses Ereignisses  wird das Hambacher Schloss heute auch als Wiege der deutschen Demokratie sowie der europäischen Einigung bezeichnet.

Bis 1815 gehörte die heutige Pfalz zur französischen Republik und konnte sich der bürgerlichen Rechte erfreuen, die im Code Napoléon niedergelegt waren. Die Bürger besaßen das Recht auf Freiheit der Person, des Eigentums und des Ge­werbes, die Richter waren unabhängig und die Gerichts­verfahren öffentlich, in Strafprozessen urteilten Geschworenengerichte. Nach dem Ende der Napoleonischen Herr­schaft fiel die Rheinpfalz nach dem Wiener Kongress an das viel rückschrittlichere Königreich Bayern. Dies führte zu erheblichen Einschnitten bei den Freiheitsrechten.  Hohe Zölle und Steuern belasteten die vormals florierende Wirtschaft.

Anstoß für Freiheitsbewe­gungen in ganz Europa war die französische Juli-Revolution im Jahr 1830. Unter anderem lehnte sich Polen gegen die russische Fremdherrschaft auf. Die Aufständischen kämpften für die Einheit und Unabhängigkeit ihres Vaterlandes. Auch in der Pfalz wurden sogenannte Polen-Vereine gegründet mit dem Ziel, den Frei­heitskampf zu unterstützen. Als dieser niedergeschlagen worden war, emigrierten viele Polen in den deutschen Südwesten und nach Frankreich. Auch in Neustadt wurden sie als Freiheitskämpfer gefeiert und nahmen am Hambacher Fest teil.

Als Reaktion auf die Juli-Revolution verschärfte der bayerische König ab 1830 die Zensur der Zeitungen, ließ liberale Staatsdiener maßregeln und die Vereins- und Versammlungsfreiheit einschränken. Aus Protest gegen diese Entwicklung grün­deten die Publizisten Philipp Jakob Siebenpfeiffer (1789-1845) und Johann Georg August Wirth (1798-1848), der kurz zuvor aus München in die liberalere Pfalz übergesiedelt war, Anfang des Jahres  1832 den „Deutschen Preß- und Vaterlandsverein“, der in kürzester Zeit 5.000 Mitglieder zählte. Wenig später luden 32 Neustadter Bürger, von denen 20 dem „Preß- und Vaterlandsverein“ angehörten, zum Gedenken an den 26. Mai, den bayerischen Verfassungstag, auf den 27. Mai 1832 zu einem Fest auf dem Hambacher Schloss ein. Ge­meinsam mit allen „deutschen Stämmen“ sollte neben dem Gedenken an die Verfassung über die politische Zukunft Deutschlands beraten werden.

Dem Aufruf folgten etwa 20.000 bis 30.000 Menschen aus der Pfalz und anderen deutschen Territorien - Männer und Frauen aus unterschiedlichen ge­sellschaftlichen Schichten, außerdem Delegationen aus Frankreich und Freiheitskämpfer aus Polen. Zur Hymne des Festes wurde das von Siebenpfeiffer verfasste Lied „Hinauf Patrioten zum Schloß, zum Schloß!“ Am Abend des 26. Mai und am frühen Morgen des 27. Mai 1832 begannen die Feierlichkeiten in Neustadt mit dem Geläut aller Glocken, einem mehrstündigen Geschützfeuer und Freudenfeuern auf den höchsten Punkten des Haardtgebirges.

Der Festzug bewegte sich vom Neustadter Marktplatz zur Schlossruine nach Hambach. Zuerst kam eine Abtei­lung der Bürgergarde mit Musik, gefolgt von Frauen mit der polnischen Fahne, die von einem Fähn­rich mit einer weiß-roten Schärpe getragen wurde. Darauf kam eine zweite Abteilung der Bürgergarde, an die sich eine Abteilung Festordner anschloss, von denen jeder eine schwarz-rot-goldene Schärpe trug. In der Mitte wurde die schwarz-rot-goldene Fahne mit der Aufschrift „Deutsch­lands Wiedergeburt“ geschwungen. Träger dieser Hamba­cher Hauptfahne, die dann auf dem Schloss aufgestellt wurde, war der Neustadter Johann Phi­lipp Abresch. Es folgten der Landrat Rheinbayerns und verschiedene Deputationen aus anderen deutschen Regionen, namentlich Rheinpreußen, Baden, Hessen, Württemberg, Franken, Altbayern, Sachsen, Hannover, Westfalen, Nassau, Lich­tenberg, Coburg, Frankfurt und andere mehr.

Die Feier auf dem Hambacher Schloss, die auch Züge eines Volksfestes trug, wurde zu einem „Nationalfest der Deutschen“. Viele verschiedene Redner trugen ihre Vorstellungen einer politischen Reform Deutschlands vor. Neben dem Wunsch nach einer Einigung Deutschlands, das in viele Territorien zersplittert war, standen Forderungen nach einer konstitutionellen Monarchie oder sogar nach der Demokratie als Regierungsform.  Philipp Jakob Siebenpfeiffer rief dazu auf, dass die Deutschen sich nicht mehr wie Knechte unter das Joch ihrer Fürsten beugen sollten. Er prophezeite ein wirtschaftlich geeintes Europa, in dem Frauen und Männer gleichberechtigt seien und in dem das Volk seine nationale Einheit durchsetzen werde. Auch Johann Georg August Wirth verlangte Freiheit und die staatliche Einheit für das deutsche Volk, warnte aber auch vor einem möglichen Hegemoniestreben Frankreichs.

Als Reaktion auf das Hambacher Fest ließ der bayerische König, auch auf Drängen des österreichischen Staatskanzlers Metternich, unter Führung eines außerordentlichen Hofkommissärs bayerische Truppen in der Pfalz einrücken. Es gelang ihnen in kurzer Zeit, die fortschrittlichen Bestrebungen in der Pfalz zu unterdrücken. Viele Beteiligte mussten ins Exil fliehen oder wurden vor Gericht gestellt. Siebenpfeif­fer, Wirth und  weitere Personen wurden 1833 wegen „versuchter Aufreizung zum Umsturz der Staatsregierung“ bzw. der Tätigkeit für den „Preß- und Vaterlandsverein“ in Landau vor ein Geschworenen­gericht in Landau gestellt. Zur Überraschung der Regierung kam es jedoch zu einem Freispruch. In einem rein administrativen Prozess wurden beide jedoch im Anschluss wegen „Belei­digung in- und ausländischer Behörden und Beamten“ aber zu zwei Jahren Haft verurteilt und damit mundtot gemacht.